Road(s) to Calafell: Mein erstes Ultracycling-Abenteuer

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Mein letztes Abenteuer – No(r)way by Bike – ist nun schon drei Jahre her. Wahnsinning wie die Zeit vergeht!

Ich habe Lust auf ein neues Abenteuer, und dass sich ein Freund mit dem Auswandern nach Spanien einen langersehnten Traum erfüllt hat, schafft den perfekten Rahmen dazu: Ich möchte im Herbst 2026 mit meinem Rennrad und minimaler Ausrüstung von Horn TG bis nach Calafell in Spanien fahren und so erstmalig Ultracyclingluft schnuppern. Eventuell finde ich ja Gefallen an einer solchen neuen Grenzerfahrung?

Die Idee

Die Idee eines neuen Abenteuers habe ich schon lange, klare Vorstellungen und Pläne haben sich nie kristallisiert, weil in den 5 Wochen Urlaub immer andere Reisen geplant waren und ich schlichtweg keine Zeit fand für eine Radreise.

Ein Bekannter von uns ist vor rund einem Jahr nach Spanien ausgewandert. Bisher hatte ich leider keine Zeit Ihn in Calafell besuchen zu gehen. Der Ort ca. eine Stunden südlich von Barcelona ist ein bekanntes Ferienziel für im Inland lebende Spanier, die im Sommer Zeit am Meer verbringen möchten.

Ich habe dann im Herbst endlich den Entschluss gefasst, eine Reise nach Calafell anzutreten. Weil mir das Radreisen schon in Norwegen sehr gut gefallen hat und ich mittlerweile zu einem «Hobbygümmeler» geworden bin, liegt der Plan nahe, die Reise mit dem Rad anzutreten. Ich möchte aber nicht wie in Norwegen mit einem Mountainbike mit viel und schwerem Gepäck und vielen Taschen reisen. Ich möchte minimalistischer und «rougher» unterwegs sein, mit Bikepackingtaschen, nur mit dem notwendigsten Gepäck und meinem Rennrad. Ich möchte Ultracyclingluft schnuppern (ohne denn durchgehenden Schlafmangel und «Wettkampfgedanken»), um herauszufinden, ob Rennen wie das North Cape 4000, Transcontinental Race das Atlas Mountain Race zukünftige Projekte darstellen können…

Route & Strategie

Die Route nach Calafell ist eigentlich straightforward, weil Start und Ziel feststehen. Die grosse Frage ist zurzeit noch, ob ich auch den Rückweg (oder zumindest Teile davon) mit dem Rad antrete, oder dann von Barcelona aus mit dem Rad heimfliege.

Den Hinweg möchte ich schnellstmöglich bestreiten. Die Direktroute führt in einem ersten Teil von der Ostschweiz über das Schweizer Mittelland bis nach Lausanne und dann nach Genf.Danach beginnen die ewigen Weiten des französischen «Flachlandes» und führen über Valence bis nach Montpellier ans Mittelmeer, von wo aus es (zumindest wenn man keinen Abstecher über die Pyrenäen macht) in Küstennähe über Perpignan bis nach Girona in Spanien geht. Der «Schlussprint» ist dann der letzte Teil durch Barcelona bis nach Calafell.

Es resultiert eine Gesamtdistanz von gut 1200 Kilometern und ca. 8000 Höhenmetern und mein Ziel ist es, die Strecke in maximal 7 Tagen, lieber in 5-6 Tagen zu bewältigen. Das hört sich im ersten Moment nach viel an (ca. 180 – 250 Kilometer pro Tag!), aber von meiner Reise in Norwegen weiss ich, dass bei Radreisen Tage mit über 10 Stunden im Sattel gut machbar sind. Mit einem leichteren und schnelleren Rennrad mit weniger Gepäck müssten 200 Kilometer in 10 Stunden Fahrzeit gut machbar sein… So zumindest der Plan

Setup und Gepäck

Mein Setup besteht aus einem guten Rennrad, meinem Canyon Ultimate CF SLX8 (Ultegra Di2 Schaltgruppe, DT Swiss ARC DICUT 38mm Carbonfelgen) und einem klassischen Bikepacking-Taschensetup, wobei ich versuche Gepäck weitestgehend zu optimieren, sodass ich nicht unnötige Material herumschleppe, wie es beispielsweise in Norwegen der Fall war. Die wenige Freizeitbekleidung, die ich dann in Spanien brauche, kaufe ich direkt in Calafell vor Ort oder versende ich nach Spanien.

Mein Gepäck beinhaltet entsprechend noch folgende Ausrüstung:

  • Minimalistisches Schlafsetup: Sommerschlafsack, Isomatte + Kopfkissen: Ich möchte kein Zelt mitschleppen und plane Hotelaufenthalte, denn die Regeneration im Zelt ist einfach nicht dasselbe wie in einem richtigen Bett. Für Notfälle nehme ich aber trotzdem ein Schlafsetup mit. Man weiss ja nie, und so kann ich mich im Notfall unter irgendein Vordach oder eine Brücke legen. Wäre nicht das erste mal…
  • Reparaturset + Werkzeug: Das ist das wichtigste für mich, sodass ich mein Rad in jedem Fall (wenn nicht gerade ein Komplettdefekt auftaucht) selber reparieren und weiterfahren kann. Dazu gehören Ersatzschläuche, Kettenschloss, Multitool, und und und …
  • Hygiene: Auch hier nur das nötigste: Deo, Zahnbürste, Zahnpasta, Arschcreme, Shampoo und ein kleines Erste-Hilfe-Set u.a. mit Medikamenten. Alles in Reisegrösse, sodass es bei meinem eingeschränkten Packvolumen möglichst wenig Platz einnimmt.
  • Kleider: An Freizeitkleidung nehme ich nichts mit ausser ein Paar Adiletten, eine Trainerhose und ein Sportshirt und einen Satz Unterwäsche. Der Rest ist Fahrradbekleidung: Beinlinge und eine leichte Daunenjacke (falls die Tempaturen schneller sinken als erwartet), Ersatztrickot + Bibshorts, eine Regenjacke und natürlich Fahrradhelm und -schuhe.
  • Elektronik: Auch hier nur das Nötigste. Filmen und Fotografieren kann ich mit dem Handy. Anonsten benötige ich nur den Radcomputer, Fahrradlicht und zusätzlich eine Powerbank, welche ich in den Unterkünften aufladen kann

Das Motto: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Je weniger Gepäck, desto schneller bin ich unterwegs.

Durch Klicken auf die einzelnen Taschen in der nachfolgenden Grafik erfährst du mehr über mein Bikepacking-Setup.

Fahrrad

Fahrrad
APIDURA FRAME PACK | 4L CYCLITE SADDLE BAG / 01 | 13L APIDURA LONG TOP TUBE PACK | 2L CYCLITE AERO BAG / 01 | 5L

APIDURA FRAME PACK | 4L

  • Werkzeug
  • Ladekabel
  • Hygieneartikel + Erste-Hilfe

CYCLITE SADDLE BAG / 01 | 13L

Schlafsetup

  • Schlafsack
  • Isomatte
  • Daunenjacke
  • «Camp»-Utensilien

APIDURA LONG TOP TUBE PACK | 2L

  • Powerbank, Kopfhörer + Ladekabel
  • Snacks

CYCLITE AERO BAG / 01 | 5L

Bekleidung

  • Bibshorts
  • Langarmtrikot
  • Armlinge + Beinlinge
  • Regenjacke
  • Off-Bike Bekleidung

Vorbereitungen und Training

Die notwendigen Vorbereitungen für das Projekt sind zweierlei; einerseits der sportliche Aspekt, natürlich aber auch den Abenteueraspekt und die Planung des Vorhabens.

Sportliche Vorbereitung

Die sportliche Vorbereitung ist eigentlich klar: Radfahren, Radfahren und noch mehr Radfahren. Ich habe aber in den Trainings auf dem Rennrad im letzten Jahr grosse Freude gefunden. Ich habe im lezten Jahr auch eine gute Basis aufbauen können mit Höchstform anfangs September bei meinen Radferien in Mallorca; genau zu dem Zeitpunkt, zu dem ich im kommenden Jahr diese Reise antreten möchte. Auch längere Einheiten von 200+km habe ich schon absolviert, und das ging eigentlich ganz in Ordnung. Obwohl die Form in den vergangenen Wochen aufgrund von Krankheit, tiefem Energielevel und vermutlich auch Stress ein bisschen zusammengebrochen ist, habe ich keine Sorgen, dass diese bis im September wieder auf einem guten Level sein wird. Ich habe vor gut drei Wochen mit dem Basistraining im Winter angefangen. Zwangsweise orientiert sich dieses auf «kürzere», aber intensivere Trainingseinheiten auf dem Indoor-Rollentrainer mit Fokus auf Grundlagenausdauer. Das heisst vorallem längere (Sub-)Threshold Intervalle um die Schwellenleistung bis in den Herbst zu optimieren. Ich lasse mir aber auch die geliebten 🙂 VO2max-Intervalle nicht nehmen. Ich versuche zusätzich eine längere Z2-Ausfahrt (Minimum 2h) am Wochenende zu absolvieren, dick eingepackt in Thermokleider sofern das Wetter mitmacht…

Konkrete absolviere ich typischerweise folgende Einheiten:

  • VO2max: 3 Sets à 16x 30″/30″ bei ca 120% FTP
  • Threshold: 3 Sets à 20′ bei ca. 95% FTP
  • Over/Under: 4 Sets à 4x 2’/2′ bei ca. 105% / 92% FTP

Besonders wichtig werden dann die Trainings im Sommer, vorallem auch um mich an die Hitze zu gewöhnen. Ich habe damit eigentlich keine grossen Probleme, aber ich noch mehr Fokus auf ausreichende Hydration und einen guten Kohlenhydrat- und Elektrolythausalt legen.

Routenplanung & Materialtest

Mit der genauen Routenplanung muss ich mich noch befassen, aber eigentlich ist für mich klar, dass ich zumindest auf dem Hinweg eine direkte Route anschlagen möchte. Ich muss mich nurnoch ein bisschen Informieren, wie es mit Unterkünften in den ländlicheren Gegenden von Frankreich aussieht und auch ob genügend Verpflegung mit Supermärkten vorhanden ist. Ich glaube aber, dass beide Aspekte deutlich einfacher sind als in Nordnorwegen, wo kaum Hotels und Supermärkte vorhanden sind.

Für mich das wichtigste neben dem Trainings ist es. Meine Packliste iterativ zu optimieren und zu testen. Ich habe konkret vor, im frühen Sommer (wenn die Temperaturen vergleichbar sind mit September) und auch im Hochsommer Wochenend-Trips in der Schweiz vorzunehmen mit mindestens einer Übernachtung und ähnlichen Distanzen, wie ich Sie für die Reise nach Spanien plane. So finde ich heraus, ob meine Ambitionen realistisch sind, wie einfach es ist Schlafplätze «on-the-go» zu finden und wie ich meine Pausen für Resupply plane.

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About Me

Gianluca Pargätzi

Elektroingenieur / Sportenthusiast

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