No(r)way by bike – Der Plan
Norwegen ist die Heimat grosser Abenteuer. Atemberaubende Fjorde, majestätische Bergspitzen und malerische Orte in der Mitternachtssonne zieren die nordische Landschaft. […]

Das Abenteuer ist vorbei. Ich fuhr von Tromsø nach Bergen und bin am 30. Juli zurück in die Heimat geflogen, die Taschen voll mit nie schwindenden Erinnerungen an eine freie Zeit in Norwegen. Ich blicke auf die Reise zurück und denke mir einerseits: «Nie wieder!» und andererseits: «Was wird die nächste Challenge sein?». Mental und körperlich kam ich an meine Grenzen, doch die Natur, kontinuierliche Meilensteine und mein Ehrgeiz liessen mich weiter radeln.
Norwegen ist die Heimat grosser Abenteuer. Atemberaubende Fjorde, majestätische Bergspitzen und malerische Orte in der Mitternachtssonne zieren die nordische Landschaft. […]
Während 19 Reisetagen legte ich insgesamt etwa 2326 Kilometer (davon ca. 235 Kilometer auf dem Postschiff zwischen Rørvik und Trondheim) und etwa 22’240 Höhenmeter zurück, das ergibt einen Tagesschnitt von 122 Kilometern und 1’170 Höhenmeter. Grössere Gewässer und nicht umfahrbare Fjorde überquerte ich mit insgesamt 18 Bootsfahrten.
Ich gab pro Tag etwa CHF 25 für Essen und Getränke aus, wohlbemerkt ohne einen Restaurantbesuch. Während der ganzen Zeit habe ich ungefährt 4 kg Pasta mit 4 Gläsern Pesto Genovese gegessen.
Ich übernachtete 12 Nächte im Freien, davon einmal in einer Bushaltestelle und auf einem Spielplatz. Dreimal nahm ich eine kleine Campinghütte und ich genehmigte mir zur Regeneration während der Radtage zweimal ein normales Hotelzimmer. Ich konnte ledliglich 5 regenfreie Tage geniessen, an vielen Tage regnete es durchgehend, trotzdem fuhr ich an diesen Tagen jeweils um die 100 Kilometer.
Ich habe meine geplante Route ziemlich gut einhalten können. Zur detaillierten Planung habe ich von Tag zu Tag fortlaufend Komoot und die norwegischen Tunnelkarte verwendet. Die reine Fahrtzeit wird im Komoot ziemlich gut geschätzt und mit der Tunnelkarte konnte ich sehr gut überprüfen, ob Strecken mit dem Rad überhaupt befahrbar sind. Neben der «Abkürzung» mit der Hurtigruten musste ich aufgrund einer Baustelle die schönsten Orte der Inseln Senja und Andøya leider umfahren.
Ich habe viel Zeit auf dem Fahrrad verbracht und viele schöne Orte von Norwegen gesehen. Abgeschlossen habe ich mit Norwegen aber noch nicht. Gerade die Fjordregion und die Lofoten sind eine weitere Reise durchaus wert – Mit einem Wohnmobil kann man gut auch mal kleinere Umwege fahren und Zeit nutzen um an den schönsten Orten Norwegens wandern zu gehen. Im Nachhinein hätte man auch auf Radreise mehr Zeit in den genannten Regionen verbringen können. Als Alleinreisender hielt sich aber die Motivation für Wanderungen und Unternehmungen in Grenzen.
Die regenfreien Tage waren gleichzeitig auch die schönsten. Das Gefühl von vollkommener Freiheit um 23:30 Uhr irgendwo in den Lofoten, die Mitternachtssonne tief am Horizont stehend war unbeschreiblich. Auch in der Geirangerregion ab dem Trollstigen bis Sandane war ich sehr euphorisch und jeder Kilometer war einfach schön. Ich habe mich trotz schlechtem Wetter durch mentale Tiefs gezwungen und umso stolzer war ich auf meine mentale Stärke, als ich nach den zwei regenreichsten Tagen der ganzen Reise im Hotel in Bergen ankam.
Kurz gesagt: Nicht viel. Viele fragten mich ob ich das ganze nochmals machen würde … Bis vor kurzen war meine Antwort «Eher nicht». Mittlerweile denke ich mir aber «Was soll die nächste Challenge sein?».
Ich habe mit der Umrüstung meines Mountainbikes das beste aus bereits vorhandener Ausrüstung gemacht. Optimal war aber mein ganzes Setup nicht. Ich hatte viel zu viel Gepäck dabei und durch das hohe Gewicht meines Bikes kam ich nur langsam und träge voran. Für eine nächste Reise würde ich ein Gravel-Bike oder Rennrad-Setup zusammenstellen, ähnlich wie es bei Ultraradrennen eingesetzt wird. Mit Lenker- und Rahmentasche und einer Arschrakete ist für eine reine Radreise genügend Packvolumen vorhanden. Ich denke ich könnte sogar auf das schwere Zelt verzichten. Evtl. tut es auch ein einfaches Tarpsetup, plant man die Routen im Vorhinein sind Hotelübernachtungen meiner Meinung nach überhaupt nicht verwerflich. Im Grossen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden, das Mountainbike war robust. Platte Reifen hatte ich nie, ich hatte nur kleinere Probleme mit der Schaltung und zu Hause angekommen habe ich bemerkt, dass (wahrscheinlich bei etwa 2/3 meiner Reise) eine Speiche gebrochen ist, vermutlich aufgrund der erhöhten Belastung durch das Gepäck.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen bedanken, welche Kommentare hinterlassen und mich mit meinen Blogposts verfolgt haben. Ich habe mich über jeden Kommentar gefreut und sie liessen mich von Tag zu Tag aufstehen und weiterfahren. Speziell Bedanken möchte ich mich bei meinem Vater. Er hat die Reise «hautnah» verfolgt, war immer erreichbar und half mir auch schwierige Situationen zu meistern. Er half mir Routenanpassungen zu planen und musste hinhalten, als ich voller Frust einfach nur fluchte und keinen Bock mehr hatte. Er blieb gelassen und half mir die etlichen Tiefs der Reise zu bewältigen.
Ein Abenteur wars! Die Reise wird mir immer in Erinnerung bleiben, sowohl die schönen als auch die düsteren Momente … Es wird nicht die letzte Radreise gewesen sein 😉

Elektroingenieur / Sportenthusiast
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